Kirchenmusikdirektor Christian Kroll dirigierte ein fulminantes Abschiedskonzert

Regensburg. Von Bernhard Hofmann (MZ)

Sichtbar machte es die Sache mit dem Frack: um Oberflächliches ging es nicht an diesem Abend. Schon bald entledigte sich Dirigent Christian Kroll seines Frackjacketts. Gab belanglose Äußerlichkeiten konventioneller Kapellmeister-Dresscodes auf, als ob er so auf das Zentrum seines Abschiedskonzertes zeigen wollte: Chormusik des 19. Jahrhunderts, in der er ein bewegendes künstlerisches und persönliches Credo zum Ausdruck brachte: die beeindruckende Summe eines Kantoren- und Chorleiterlebens.

„Tonos“ bedeutet so viel wie „Spannung, Nachdruck“, und dieser Ton trug schon eingangs bei den „Drei Motetten op. 110“ von Johannes Brahms. Kroll nahm die zum Teil doppelchörigen Werke beim Wort, ließ seinen A-cappella-Auswahlchor transparent- kammermusikalisch und innig gestalten. Die Sängerinnen und Sänger folgten ihm nuanciert, überzeugten mit lupenreiner Intonation, homogenem Chorklang und vorbildlicher Artikulation. Angesichts des Abschieds mischte sich in Zeilen wie „Ich aber bin elend, und mir ist wehe“ ein wehmütiger Subtext.

Solche Melancholie wich im „Lobgesang“ der 2. Sinfonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Die Mährische Philharmonie Olmütz, seit mehreren Jahren bei Konzerten von Christian Kroll zu Gast, bewältigte den Orchesterpart des eher selten gespielten Werks ansprechend und ließ in allen Registern vorzügliche Einzelleistungen hören, eindrucksvoll gelangen Soli in Klarinette und Oboe. Die Regensburger Kantorei und der Universitätschor waren in voller Besetzung aufgeboten. Die rund 160 Mitglieder erwiesen sich als musterhaftes Ensemble, selbst, was den komplizierten Transport der Podeste ins Audimax betraf. Geboten wurde eine reiche Palette chorischer Farben, die dichtes Piano ebenso umfasste wie strahlend-metallischen Glanz. Christine Wolff (Sopran) und Ulrike Bartsch (Alt) gestalteten ihre Solopartien versiert und klangvoll. Markus Schäfer (Tenor) bestach mit stupender Technik, tenoralem Schmelz und intensivem Ausdruck.

Tosender Applaus

Abschluss und Höhepunkt des fulminanten Abends bildete das „Te Deum“ von Anton Bruckner. Als „Stolz seines Lebens“ hat Bruckner diese Komposition bezeichnet – gewissermaßen als Stolz eines Kantorenlebens konnte man das Werk in der Interpretation von Christian Kroll erleben. Der markant timbrierte, klangvolle Bass von Christoph Stephinger komplettierte das überzeugende Solistenquartett. Hervorragend erneut die chorische Leistung: Alle stimmtechnischen Anforderungen, selbst die gefürchtete Passage am Ende des Stücks im höchsten Diskant, meisterten die Sängerinnen und Sänger mit ermüdungsfreier Strahlkraft (ein Sonderlob geht an den Sopran). Die zahlreichen Besucher spendeten tosenden Applaus für ein großes Konzert, und sie dankten mit stehenden Ovationen einem großen Chorleiter und Kantor.

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Universitätschor Regensburg 2010

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