Die Erschaffung der Welt aus 200 kraftvollen Stimmen

Für Haydns „Schöpfung“ vereinten sich Regensburger Sänger und Musiker zu einem großen musikalischen Ereignis.

Von Gerhard Heldt, MZ

Regensburg. Haydns Oratorium von der Erschaffung der Erde, der Himmelsgestirne, der Natur und des Menschen als Ebenbild Gottes fasst die Mythologie der alttestamentarischen Genesis bis kurz vor dem Sündenfall auf der Basis eines zeitgenössischen Textes in Musik. Der Ursprung des Textes ist nicht sicher nachzuweisen, wohl aber, dass Haydns Wiener Gönner Freiherr Gottfried van Swieten sich auf Fragmente aus „Paradiese lost“ von John Milton stützte und in seinen Text übernahm.

„Die Schöpfung“ hat, nach der Wiener Uraufführung 1799, seit ihrer Erstaufführung Pfingsten 1801 im großen Saal des „Gasthofes zum Kreuz“ in Regensburg einen festen Platz im Konzertleben, da die Chorpartie auch von geübten Laien bewältigt werden kann. Das war wohl einer der Gründe, rund 140 Kinder und junge Erwachsene des Cantemus-Chors der Sing- und Musikschule, den Universitätschor und den Opernchor – zusammen über 200 Stimmen – zu einem machtvoll klingenden großen Ensemble zusammenzufügen und das Werk in einem Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters zu Gehör zu bringen.

Die Chöre waren von Matthias Schlier (Cantemus- und Uni-Chor) und Christoph Heil (Opernchor) bestens einstudiert worden. Die klangliche Ausgewogenheit ließ, von kleinen Sopran-Dominanzen zu Beginn abgesehen, kaum Wünsche offen. Die Spannung hielt bis zum Schlusston, transparent die Piani, kompakt, nie aufdringlich die Forte-Passagen. Ein Ereignis war das „und es ward Licht“, dessen Fortissimo in strahlendem C-Dur leuchtete. Überzeugend auch, wie mühelos die schnellen, fugierten Passagen gemeistert wurden – faszinierend hier beispielsweise der Chor „Stimmt an die Saiten“.

Das Crescendo des „Sonnenaufgangs“ startete Tetsuro Ban, vom Hammerklavier aus dirigierend und die Cembalo-Passagen der Rezitative begleitend, etwas zu laut, um die ganze beabsichtigte Wirkung zu erzielen, hingegen untermalten sanfte Töne das Leuchten des Mondes. Tetsuro Ban zeigte insgesamt ein kluges Gespür für das Werk, nicht nur für seine Musik, sondern auch für seine Botschaft, den Gehalt der gesungenen Texte. Das machten durchwegs schlüssige Tempi, mitgefühlte Ritardandi deutlich.

Wenn er das erste Liebesglück von Adam und Eva, in das Duett „Holder Gatte“ mündend, zu schnell nahm, tat er das wohl, um den leicht emphatischen Text vor falschem Sentiment zu schützen. Genussvoll musizierte er die Erschaffung der Vögel Adler, Lerche, Taube und Nachtigall, ebenso die von Löwe, Tiger, Hirsch, Pferd, Rind und Schaf, deren Eigenschaften Haydn wie bei der Schilderung der Insekten und des kriechenden Gewürms stets tonmalerisch dem Text voranstellt.

Das Philharmonische Orchester schuf mit feinfühlig-energischem Spiel die Basis für den Erfolg des Abends. Besonders auffallend schön die Holzbläser (Einleitung zum Terzett Nr. 28), präzise die Streicher, dezent verstärkend das Blech. Die Instrumentalisten boten, im Verein mit den herausragenden Chören, den glänzenden Solisten ein Fundament, auf dem diese ihre stimmlichen Qualitäten entfalten konnten. Theodora Varga überstrahlte mit leuchtenden Spitzentönen mitunter Chor und Orchester, ließ große Linien aufblühen, sang weit ausholende melismatische Passagen auf großem Atem und machte Koloraturen zum Genuss.

Die größte Partie hatte Sung-Heon Ha zu bewältigen. Mit balsamisch-weichem Bass war er in den Rezitativen wunderbarer Erzähler und in seinen Arien mal kraftvoll fordernd, mal fromm ergeben. Nam Won Huh vom Opernstudio der Bayerischen Staatsoper überzeugte mit hellem, schön timbriertem Tenor, machte aber die Bedrohung des im Rezitativ „O glücklich Paar“ zu wenig deutlich. Insgesamt ein großer Abend im ausverkauften Audimax.

Mittelbayerische Zeitung, 28.02.2011

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