Kraftvoller Klang beim Kyrie

Kraftvoller Klang beim Kyrie

Von Randolf Jeschek, MZ

REGENSBURG. „Wie gut, dass dem Mozart die Luft ausgegangen ist“, kommentierte ein in der Musikgeschichte bewanderter Besucher nach dem Konzert des Universitätschors in der eiskalten Basilika St. Emmeram. Normalerweise bedauert man es ja, dass Mozarts großartige c-Moll-Messe ein Torso geblieben ist, bei quasi-sibirischen Verhältnissen ist man da weniger traurig, zumal vor dem Hauptwerk des Nachmittags noch zwei Motetten von Andreas Hammerschmidt („Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz“) und Felix Mendelssohn-Bartholdy („Warum toben die Heiden“)als Vorprogramm zu hören waren – dies als Warm-Up zu bezeichnen, wäre doch etwas verwegen. Waren die Motetten noch einer kleinen Kammerbesetzung vorbehalten, wuchs der Unichor bei Mozart bis auf weit über 100 Sänger an, die bereits beim Kyrie andeuteten, welch kraftvollen Klang sie entfalten können.

Und das kommt dieser Messe durchaus entgegen, orientiert sich hier doch Mozart in den Chorabschnitten an Bach und Händel; ein Zug zum Monumentalen ist nicht zu übersehen. Diesen monumentalen Gestus versuchte Chorleiter Matthias Schlier umzusetzen, er achtete auf Großflächigkeit, auf Exaktheit, Sicherheit. Das ist legitim, fordert diese Messe dem Chor, dem Orchester und den Solisten doch alles ab; die Kehrseite: vieles wirkte starr, unbeweglich, eintönig, zu handfest, die musikalische Vielfalt blieb auf der Strecke. Dennoch, eine ordentliche Leistung für einen ambitionierten Laienchor. Und auch das Kammerorchester der Universität stand seinen Mann, kämpfte tapfer gegen die Tücken der Kälte; da gerät schon mal was weniger filigran, als man gerne möchte.

Das Solistenquartett konnte überzeugen, da wehte bei den koloraturreichen Sopranarien (Stefanie True und Christine Hofmann) ein Hauch neapolitanischer Opernflair durch das Kirchenschiff, Duett und Terzett (mit Tenor Richard Resch) gerieten trotz gelegentlicher Intonationstrübungen klangschön, flüssig und ausgewogen, das Benedictus, bei dem Bassist Achim Hoffmann das Quartett vervollständigte, hätte man sich etwas weniger hemdsärmelig vorstellen können. Freundlicher Applaus aus dem voll besetzten Kirchenraum belohnte das gelungene Wagnis, ein ganz großes Werk der Chorliteratur klanggewaltig auf die Beine gestellt zu haben. Das nächste Kapitel wird am Sonntag, 1. Juli aufgeschlagen: Verdis Requiem.

Mittelbayerische Zeitung, 15.02.2011

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