Zart die Liebe beschworen

Zart die Liebe beschworen

Von Gerhard Dietel, MZ

Regensburg. Die Liebe hat viele Facetten: derb-sinnliche und geistig veredelte, solche des Überschwangs wie der Enttäuschung. Sie alle kommen beim Konzert des Regensburger Universitätschors im Vielberth-Gebäude der Universität zum Tragen. Gute Laune herrscht von Anbeginn, wozu auch Chorleiter Roman Emilius beiträgt, der mit humorvollen Conferencen aufwartet und die Zuhörer verblüfft, als er den Text von Uhlands Ballade „Harald“ auswendig vorträgt, bevor die Sängerinnen und Sänger Rheinbergers Vertonung folgen lassen: die mit Marschklängen unterlegte erschröckliche Geschichte vom Recken Harald, dessen Gefährten im nächtlichen Wald den Verlockungen von Elfen erliegen, und der einsam und erstarrt zurückbleibt.

Musik der englischen Renaissance eröffnet das Programm des Abends: John Dowlands zart anhebendes, dann sich dialogisch steigerndes „Come again“ und Thomas Morleys Shakespeare-Vertonung „It was a lover“. Mit viel federndem Schwung erklingt dies die sinnliche Liebe feiernde Madrigal. Als wolle er mitsingen, formt Roman Emilius die Klänge mit den Lippen vor und führt den Chor mit schalkhaftem Lächeln und kleinen beweglichen Gesten zu einer animierten Leistung.

Ganz züchtig geht es dann in Palestrinas Petrarca-Vertonung „Vergine bella“ zu, welche die reine Liebe aus der Ferne feiert. Hier entwickelt der Universitätschor, ohne in der Textverständlichkeit nachzulassen, einen breit strömenden polyphonen Klang, bei dem sich die Phrasen zäsurenlos zu einem kontinuierlichen Fluss verdichten. Eine Umarmung der gesamten Schöpfung bedeutet demgegenüber der „Sonnengesang“ des Franz von Assissi. Dessen anspruchsvolle zeitgenössische Vertonung durch Petr Eben meistert der Universitätschor ebenso souverän: im Wechsel von Vokalklang und rhythmisch betontem Sprechgesang sowie einem weiten Ausdrucksspektrum zumal dort, wo auch der Tod als Bestandteil der Schöpfung in teils aufbegehrenden, teils dunkel resignierenden Tönen anerkannt wird.

In die Welt des „Zigeunerlebens“ führt ein Chorsatz Robert Schumanns, bevor zum Schluss des Programms Johannes Brahms‘ „Zigeunerlieder“ erklingen, in denen sich die Sehnsucht des Bürgers nach Freiheit wie auch freizügiger Liebe außerhalb gesellschaftlicher Konventionen manifestiert. Temperamentvoll gestaltet Angela Mayer den anspruchsvollen Klavierpart, während die Sängerinnen und Sänger (welch letzteren man in einigen Solopassagen zahlenmässige Verstärkung wünschte) ebenso feurig wie keck vom „ungetreuen Mägdelein“ berichten, eine „Csardas-Melodie“ intonieren, die „hochgetürmte Rimaflut“ wogen und mit hingetupften Staccati „Röslein dreie“ erblühen lassen.

Viel Beifall gibt’s aus den Publikumsreihen und eine überraschende Zugabe: mit dem „Va pensiero“ aus Verdis „Nabucco“ betritt der Universitätschor zum Schluss die Opernbühne und huldigt einem der beiden großen Musiktheaterjubilare des Jahres.

Mittelbayerische Zeitung, 01.07.2013

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Universitätschor Regensburg 2010

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