Ein fast rauschhaftes Raumklangerlebnis

Ein fast rauschhaftes Raumklangerlebnis

Wiedereinweihung der Dreieinigkeitskirche war für Musikfreunde ein Fest: Homberger-Motette brachte die einzigartige Akustik des Gotteshauses hervor.

Von Gerhard Heldt, clinic MZ

REGENSBURG. Was die Wiedereinweihung der Dreieinigkeitskirche am zweiten Advent für Musikfreunde besonders spannend machte, war die Wiederaufführung der Motette „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ (Psalm 84) für drei Chöre zu je fünf Stimmen von Paul Homberger (1560-1634), der zur Zeit der Fertigstellung der Kirche dort Kantor war. Helmut Schwämmlein, Gründer und Leiter der Musica Antiqua Ambergensis, hatte das Manuskript in der Bischöflichen Bibliothek entdeckt, seine Tochter es der Kantorei zur Verfügung gestellt.

Schon der Einzug der drei Chöre – Regensburger Kantorei, Raselius-Chor und Universitätschor – machte klar, dass die einzigartige Akustik des großen Hallenbaus nicht im Geringsten unter den fünfjährigen Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten gelitten hat. Im wieder hell erstrahlenden Kirchenraum schien der altitalienische Hymnus „Alta Trinita Beata“ noch an Glanz zu gewinnen.

Musik, die erstmals 1631 erklang

Erstmals bewährte sich die Aufstellung der großen Ensembles auf den gegenüberliegenden Emporen und des kleineren vorn im Chor. Der Klang wurde mehrdimensional – ein fast rauschhaftes Raumklangerlebnis, das mit der Motette aus Paul Hombergers Feder nochmals übertroffen werden sollte. Hatten zuvor die drei Chöre den homophonen Hymnus von unterschiedlichen Orten erklingen lassen, so wurde dieses Erlebnis mit der 15-stimmigen Polyphonie der Motette geradezu potenziert. Der Raum war rundum erfüllt mit der Musik, die zur Einweihung 1631 erstmals erklungen war. Roman Emilius dirigierte mit weißen Handschuhen, so sichtbar für alle drei Chöre, aus dem Privatoratorium für die evangelische Erbprinzessin Therese von Thurn und Taxis unterhalb der Orgelempore.

Der in Regensburg geborene und gestorbene Homberger besuchte hier das Gymnasium und tauchte später in den Matrikelbüchern der Universität Wittenberg auf. Nicht gesichert, aber nach dem Hörerlebnis der Motette glaubwürdig ist sein Aufenthalt bei Giovanni Gabrieli, dem Meister der venezianischen Mehrchörigkeit. Er kehrte über Graz nach Regensburg zurück, wo er bis 1631 auch den Kantorsposten am Gymnasium übernahm.

Auch für kleinere Ensembles tauglich

Orlando di Lassos Motette „Jubilate Deo“ gelang dem Raselius-Chor vorzüglich und belegte die akustische Tauglichkeit des Raumes auch für kleinere Ensembles. Zwischen Kirchenliedern, die vom Posaunenchor der Dreieinigkeitskirche (Leitung Monika Seywald) eingeleitet und als Orgelersatz mitgespielt wurden, war die Bass-Arie „Heiligste Dreieinigkeit“ aus Bachs Kantate „Erschallet ihr Lieder“ BWV 172, gesungen von Hans Ulrich Stöger, unter der Mitwirkung des Trompetenensembles Paul Windschüttl zu hören.

Roman Emilius, der gleich zu Beginn seiner Regensburger Tätigkeit auf seine wichtigste Kirche verzichten musste, wird mit seinen Sängern und Musikern diese Kirche immer wieder zum Klingen bringen.

Mittelbayerische Zeitung, 10.12.2013

Universitätschor Regensburg 2010

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