Sternstunde mit jungem Messias

Sternstunde mit jungem Messias

Chor und Barockorchester der Universität Regensburg führten Händels berühmtestes Stück auf – ein Meisterwerk mit Tücken, souverän dargeboten.

Von Martin Weindl, MZ

REGENSBURG. Ein Meisterwerk mit Tücken könnte man Georg Friedrich Händels Oratorium „Messias“ nennen, oder besser gesagt „tricky“ wenn man in der Originalsprache des Werks bleibt. Denn „Messiah, an Oratorio“, das am Samstagabend von Chor und Barockensemble der Universität Regensburg unter Leitung von Roman Emilius aufgeführt wurde, ist wegen seiner großen Popularität einfach und schwierig zugleich.

Einfach ist das Werk, weil es im Standardrepertoire vieler Solisten, Chorsänger und Orchestermusiker ist, man den Messias also schon kennt und wegen seiner schönen Melodien und der wirkungsvollen Komposition einfach gerne singt oder spielt. Und zahlreiches Publikum zu finden, ist bei diesem Klassikschlager auch nicht schwierig, wie man an der vollbesetzten Regensburger Dreieinigkeitskirche sehen konnte. Aber hier beginnen schon die Schwierigkeiten: viele Konzertbesucher haben „ihren“ Messias im Ohr, kennen viele berühmte Stücke, allen voran natürlich das „Halleluja“, fast auswendig und vergleichen diese innerlich mit den besten Aufnahmen im heimischen CD-Regal.

Muss keinen Vergleich mit einer Profi-CD scheuen

Gerade heraus: Solisten, Unichor und das Rubio Barockorchester der Universität Regensburg brauchen nach dieser Aufführung keine Profi-CD zu scheuen. Eine rundherum gelungene, musikalisch beeindruckende und sogar menschlich bewegende Aufführung riss das Publikum völlig zurecht zu langem Applaus und stehenden Ovationen hin.

Den fast durchwegs jugendlichen Ausführenden verlangt der Unichor-Leiter Roman Emilius einiges ab. Trotz Kürzungen bleiben Sänger und Instrumentalisten zwei Stunden lang unter Hochspannung, folgen bei durchwegs zügigen Tempi dem expressiven und fordernden Dirigat, schalten blitzschnell zwischen breiter Agogik und textbetontem Staccato um und lassen bei tadelloser englischer Aussprache den im Programmheft abgedruckten Text jungfräulich. Ein Beispiel: Den Tubachören in Bachs Passionen nicht unähnlich peitscht das „shurely“ der an die 120 Unichorsängerinnen und -sänger die Missetaten der Menschen in den Leib des Gottessohns. Die Heilung kommt im folgenden Chor breit, doch mit präzisen Fugeneinsätzen, während sich die Sänger im „All we like sheep“ textgetreu mit den verirrten Schafen auf musikalisch krumme Bahnen versteigen.

Butterweich und glockenhell

In den folgenden Stücken präsentiert sich der Tenorsolist Jan Heinrich Kuschel wie im ganzen Messias als genau den Text ausdeutender „Evangelist“ und erinnert dabei mit seiner leichten Stimmgebung an die Tenöre englischer Tradition. Sein Basskollege Christian Eberl, gebürtiger Regensburger und jetzt Dozent an der Musikhochschule München, deutet in seinen „Misterioso“-Rezitativen nicht weniger eindrücklich den Text aus, findet in seinen Arien aber zu einem warmen und noblen Timbre. In seinem Bravourstück „The trumpet shall sound“ wird Eberl ebenso nobel und eben nicht knallig vom Solotrompeter Matthias Schäffer kongenial begleitet.

Stimmen „zum Reinlegen“ haben die beiden Solistinnen: so bereitet Altistin Henriette Gödde im Duett „He shall feed his flock“ einen butterweichen Grund für die glockenhelle Stimme von Julia Jurgasch, Sopran. Die in Regensburg lehrende Sängerin glänzt mit ihren Spitzentönen auch als Verkündigungsengel im Weihnachtsteil des Oratoriums. Hier hat nun mit der Hirtenmusik „Pifa“ neben der Ouvertüre auch das Orchester sein Solostück.

Frische Musikalität

Rubio, die „Regensburg University Baroque Instrumental Ensembles and Orchestras“, beweisen mit dem Instrumentalpart im Messias, dass auch herkömmlich ausgebildete Orchestermusiker mit persönlichem Engagement und dem Coaching der Expertin und Bratschistin Hildegard Senninger überzeugend „historisch informiert“ spielen können. Diese frische Musikalität, im Einklang mit den jungen Stimmen der Solisten und des Unichors und der abwechslungsreichen Interpretation durch Dirigent Roman Emilius, ließ diesen Abend – genau 25 Jahre nach dem ersten Auftreten des Unichors in Oratorienstärke – wenn nicht zu einer Sternstunde des Regensburger Musiklebens werden.

Mittelbayerische Zeitung, 10.02.2014

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