Kleine Stolpersteine vor einem gloriosen Finale

„Messias Superstar“ mit Cantemus-Chor und Uni-Ensembles hinterließ einen zwiespältigen Eindruck

Regensburg. Von Michael Scheiner, MZ

Furios das Intro, prächtig das Finale. Nur dazwischen, dazwischen hat nicht immer alles so geklappt mit dem gewaltigen Werk „Messias Superstar“. Zwei, drei verpatzte Einsätze ziemlich am Anfang lösten Unsicherheiten im Chor aus, der Wiedereinstieg verlief holprig, während die Big Band der Uni erfreulich unbeirrt weitermachte im Takt.

Auch wenn sich bei der vierten, fünften Nummer alles wieder soweit eingerenkt und Solisten wie Chor sich gefangen hatten – etwas von der irritierten Stimmung blieb erst einmal zäh kleben und hemmte auch das Publikum im fast voll besetzten Audimax.

Händels großes Oratorium „Messias“ bildet die Grundlage für die Bearbeitung des Pianisten und Komponisten Tobias Forster von den Klazz-Brothers. Im Stil eines Crossover-Arrangements hat der Dresdner das Monumentalwerk um- und teilweise neu geschrieben, es – salopp ausgedrückt – verjazzt.

Besetzt mit zwei klassisch geschulten Solisten, Dagmar Spannbauer (Sopran) und Kurt Schober (Bass), stellt er diesen eine Jazzstimme in Altlage gegenüber, eine Rolle, die Steffi Denk wie auf den Leib geschrieben schien.

Cantemus-Chor, bereits einschlägig erfahren mit dem Original-Messias, und Universitätschor gestalteten in erprobter, erfrischend zupackender Zusammenarbeit die Chorpassagen. Bisher ist das modernistisch aufgepeppte Werk, nach der Uraufführung mit der Big Band des Hessischen Rundfunks und Jazz-Altistin Jocelyn B. Smith bei den Dresdner Jazztagen im Jahr 2005, selten aufgeführt worden. Vermutlich liegt das nicht nur, wie Bandleiter Christian Sommerer im Programmheft schreibt, am „enormen logistischen und personellen Aufwand, den das Stück erfordert“, sondern auch daran, dass nicht klar wird, wofür es steht. Die Kernaussage bleibt durch das Händel'sche Originallibretto gleich, damit sind auch Ausdruck und Stimmung im Wesentlichen unverändert. Musikalisch sucht man einen echten Höhepunkt eigentlich vergebens.

Begeistert aufgenommen wurde die Aufführung, nach den kleineren Startschwierigkeiten, dennoch. Spätestens als Steffi Denk mit ihrer fulminanten Soulstimme dem Chor (Leitung: Matthias Schlier) im „Hallelujah“ die optimale gospelartige Blaupause lieferte, war die Stimmung bei den Zuhörern auf Begeisterung gestiegen.

Der anfängliche Schwung aus einer beschwingten Instrumentalnummer im tänzerischen Latinsound war zurückgekehrt und beflügelte die Bühnenakteure neu. Dann gab es sogar gelegentlich Zwischenapplaus für Solisten der Big Band, von denen sich der Altsaxofonist in einem wunderschönen Duett mit Steffi Denk besonders hervortat.

Eine Riesenaufgabe hatte die Rhythmusgruppe – Klavier, Bass, Schlagzeug und Gitarre – der Big Band mit Timing, Taktwechseln, intimer Begleitung und dynamischer Akzentuierung zu bewältigen, was sie auch mit geringen Abstrichen richtig gut hinbekam.

Sängerisch fielen die beiden „Klassiker“ Spannbauer und Schober gegen die stimmgewaltige und mikrophonerfahrene Steffi Denk ein wenig ab, was aber auch mit der unklaren Zielsetzung des Werkes zusammenhängt. Nach einer Instrumentalnummer, „Behold the Lamb of God“, fanden schließlich Chor, Solisten und Orchester in einem mitreißenden Finale, „Worthy is the Lamb“, zusammen. Und die Zugabe, das bildhaft choreografierte „All we like sheep“, kam aus vollem Herzen.

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Universitätschor Regensburg 2010

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