Konzertkritiken

Mal blass, mal intensiv

Sommerkonzert des Universitätschors in St. Oswald stand ganz im Zeichen des "ewigen Lichts"

Von Gerhard Heldt, MZ

Im Sommersemester 2010 hatte Roman Emilius die Leitung des Universitätschores und damit die Aufgabe, zwei Werke unterschiedlichen Charakters für das Sommerkonzert einzustudieren. Er wählte "Lux aeterna" von Morten Lauridsen, Jahrgang 1943, und kombinierte dessen Texte unterschiedlicher liturgischer Herkunft zum Thema "Licht" mit Mozarts unvollendetem Requiem KV 626. Da auch das Requiem die wiederholte Bitte um das Leuchten des "Lux aeterna", des Lichtes, das den Verstorbenen ewig leuchten möge, enthält, war diese Kombination sinnvoll. Stilistisch liegen zwischen nahezu allen Werken Mozarts und denen unserer Zeitgenossen Welten - so auch hier.


Lauridsen ist ein Vertreter der ausgesprochen gemäßigten Moderne in der heutigen Kirchenmusik.Er wandelt mit herber Harmonik und einfacher, sangbarer Melodik auf Pfaden, die vor ihm schon andere wie Hugo Distler und Ernst Pepping beschritten haben. Das bedeutet nicht, dasss er nicht anspruchsvolle Aufgaben für den hier schon präsenten Universitätschor und das begleitende Uni-Kammerorchester bereithält. Doch leiden seine stets ähnlichen musikalischen Auslegungen verwandter Texte unter Ermüdungserscheinungen - die klanglichen Reibungen und auf- und wieder abgebauten Steigerungen wirken alsbald verbraucht. Dem Chor wurde ein hohes Maß an Intonationssicherheit abverlangt, mit der er auch aufwartete; dem Orchester blieb als subordinierter Begleitung wenig Raum zur klanglichen Entfaltung. Ganz anders bei Mozarts Requiem: Hier lebte, trotz aller Zutaten seines Schülers Süßmayr, die Musik vom Text, bestimmten Innigkeit ("Confutatis", "Lacrimosa"), Furcht verbreitender Gotteszorn ("Dies irae", "Rex tremendae majestatis") und zupackende Musizierlust ("Hosanna"- und Schlussfugen) das Geschehen.


Der Chor, anfangs noch mit leichten Problemen, die Spannung zu halten, setzte überzeugend um, was Emilius mit zupackender Geste forderte. Dazu verhalf wohl auch die unkonventionelle Aufstellung: Die Herren, deutlich in der Unterzahl, in der Mitte, umringt von Sopran und Alt. Dem durchgehend homogenen Klangbild passte sich das Kammerorchester nahtlos an; hier dominierten die weichen dunklen Töne der Bassetthörner die Partien, in denen sie zum Einsatz kamen; auch die drei Posaunen und zwei Trompeten fügten sich bestens in die düster-transparente Sphäre ein.


Die Solisten ließen Wünsche offen: Als Quartett waren sie nicht durchgehend homogen und auch die Einzelleistungen waren recht unterschiedlich: Die Eckstimmen Sopran (Gudrun Wagner-Jones) und Bass (Dariusz Siedlik) dominierten mit opernhaften Klängen die Mittelstimmen (Dorothée Rabsch, Alt, und Namwon Huh, Tenor). Während die Altistin zunehmend forcierte, wurde die einzige Mozartstimme, die des Tenors, letztlich zu oft übertönt. Herzlicher Beifall entließ alle Mitwirkenden in die verdienten Semesterferien.

Mittelbayerische Zeitung, 28.07.2010

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Kleine Stolpersteine vor einem gloriosen Finale

„Messias Superstar“ mit Cantemus-Chor und Uni-Ensembles hinterließ einen zwiespältigen Eindruck

Regensburg. Von Michael Scheiner, MZ

Furios das Intro, prächtig das Finale. Nur dazwischen, dazwischen hat nicht immer alles so geklappt mit dem gewaltigen Werk „Messias Superstar“. Zwei, drei verpatzte Einsätze ziemlich am Anfang lösten Unsicherheiten im Chor aus, der Wiedereinstieg verlief holprig, während die Big Band der Uni erfreulich unbeirrt weitermachte im Takt.

Auch wenn sich bei der vierten, fünften Nummer alles wieder soweit eingerenkt und Solisten wie Chor sich gefangen hatten – etwas von der irritierten Stimmung blieb erst einmal zäh kleben und hemmte auch das Publikum im fast voll besetzten Audimax.

Händels großes Oratorium „Messias“ bildet die Grundlage für die Bearbeitung des Pianisten und Komponisten Tobias Forster von den Klazz-Brothers. Im Stil eines Crossover-Arrangements hat der Dresdner das Monumentalwerk um- und teilweise neu geschrieben, es – salopp ausgedrückt – verjazzt.

Besetzt mit zwei klassisch geschulten Solisten, Dagmar Spannbauer (Sopran) und Kurt Schober (Bass), stellt er diesen eine Jazzstimme in Altlage gegenüber, eine Rolle, die Steffi Denk wie auf den Leib geschrieben schien.

Cantemus-Chor, bereits einschlägig erfahren mit dem Original-Messias, und Universitätschor gestalteten in erprobter, erfrischend zupackender Zusammenarbeit die Chorpassagen. Bisher ist das modernistisch aufgepeppte Werk, nach der Uraufführung mit der Big Band des Hessischen Rundfunks und Jazz-Altistin Jocelyn B. Smith bei den Dresdner Jazztagen im Jahr 2005, selten aufgeführt worden. Vermutlich liegt das nicht nur, wie Bandleiter Christian Sommerer im Programmheft schreibt, am „enormen logistischen und personellen Aufwand, den das Stück erfordert“, sondern auch daran, dass nicht klar wird, wofür es steht. Die Kernaussage bleibt durch das Händel'sche Originallibretto gleich, damit sind auch Ausdruck und Stimmung im Wesentlichen unverändert. Musikalisch sucht man einen echten Höhepunkt eigentlich vergebens.

Begeistert aufgenommen wurde die Aufführung, nach den kleineren Startschwierigkeiten, dennoch. Spätestens als Steffi Denk mit ihrer fulminanten Soulstimme dem Chor (Leitung: Matthias Schlier) im „Hallelujah“ die optimale gospelartige Blaupause lieferte, war die Stimmung bei den Zuhörern auf Begeisterung gestiegen.

Der anfängliche Schwung aus einer beschwingten Instrumentalnummer im tänzerischen Latinsound war zurückgekehrt und beflügelte die Bühnenakteure neu. Dann gab es sogar gelegentlich Zwischenapplaus für Solisten der Big Band, von denen sich der Altsaxofonist in einem wunderschönen Duett mit Steffi Denk besonders hervortat.

Eine Riesenaufgabe hatte die Rhythmusgruppe – Klavier, Bass, Schlagzeug und Gitarre – der Big Band mit Timing, Taktwechseln, intimer Begleitung und dynamischer Akzentuierung zu bewältigen, was sie auch mit geringen Abstrichen richtig gut hinbekam.

Sängerisch fielen die beiden „Klassiker“ Spannbauer und Schober gegen die stimmgewaltige und mikrophonerfahrene Steffi Denk ein wenig ab, was aber auch mit der unklaren Zielsetzung des Werkes zusammenhängt. Nach einer Instrumentalnummer, „Behold the Lamb of God“, fanden schließlich Chor, Solisten und Orchester in einem mitreißenden Finale, „Worthy is the Lamb“, zusammen. Und die Zugabe, das bildhaft choreografierte „All we like sheep“, kam aus vollem Herzen.

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Universitätschor Regensburg 2010

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