Konzertkritiken

Ein nachhaltiges Musik-Erlebnis

Ein nachhaltiges Musik-Erlebnis

Von Gerhard Dietel, MZ

Eine immense Anzahl von Musizierenden hat sich auf dem Podium des Regensburger Audimax versammelt, um den Zuhörenden zwei wegen ihrer Besetzungsaufwands selten bis nie aufgeführte Werke geistlicher Musik zu präsentieren: das zum Ende des Zweiten Weltkriegs entstandene „In terra pax“ des Schweizers Frank Martin und die erst unlängst dem Archivschlaf entrissene Vertonung des 94. Psalms durch den mit Brahms befreundeten Heinrich von Herzogenberg. Den Orchesterpart gestaltet mit beherztem Spiel die „Vogtland Philharmonie“, während sich der Regensburger Universitätschor und der Akademische Chor Erlangen zusammengetan haben, um die teilweise doppelchörig angelegten Partituren zu realisieren. Gegen diese Massen an Instrumenten- und Chorklang haben es die allesamt höchst engagiert auftretenden Gesangssolisten nicht immer leicht, ihre Botschaften vorzutragen: Lydia Zborschil (Sopran), Carmen Mammoder (Alt), Martin Nyvall (Tenor), Markus Simon (Bariton) und Falko Hönisch (Bass).

 

Alle Ausführenden tragen gleichermaßen dazu bei, dass der Abend zum nachhaltigen Erlebnis wird. Für die Koordination der Kräfte sorgt zunächst, in Herzogenbergs Psaolmvertonung, Roman Emilius, der mit und ausladender Zeichengebung die Impulse setzt, damit sich die ganze niederschmetternde Wucht des Werkanfangs entfaltet. Pathetisch und pastos ertönt die Orchestereinleitung, bevor der Chor mit seinem „Herr Gott, des die Rache ist, erscheine!“ eingreift und sich in der Folge überaus wendig zeigt: mit plakativ herausgestellten Motiven, doch auch in vielstimmiger Polyphonie und in erregtem Dialog mit dem Bass-Solisten und schließlich auch, nachdem so viel musikalischer Hochdruck geherrscht hat, in der Mitte des Werks, mit einem ganz zart und klangschön intonierten „Aber der Herr weiß“.

 

Die historischen Vorbilder von Herzogenbergs ambitionierter, in eine krönende Tripelfuge mündender Psalmvertonung sind mit Händen zu greifen: die Bachschen Passionen und die Händelschen Oratorien klingen an, doch auch das „Deutsche Requiem“ von Brahms und die geistliche Chormusik Mendelssohns. Frank Martins „In terra pax“ nach vom Komponisten selbst zusammengestellten Bibeltexten zeigt im Vergleich die eigenständigere, eigenwilligere Handschrift.

 

Hier übernimmt nun Konrad Klek, ruhiger, doch ebenso effizient wie zuvor Roman Emilius dirigierend, die Leitung. Das Orchester, das mit dunkel-feierlichen Bläserklängen eröffnet, darf hier immer wieder illustrative Details beisteuern, während der Bariton-Solist Weltuntergangs-Visionen aus der Offenbarung Johannis beschwört. Weit spannt sich von hier der inhaltliche Bogen zum hoffnungsvoll verklärten Sanctus-Schluss, wobei es gar nicht so sehr die dramatischen Höhepunkte sind als die meditativen Abschnitte, die beim Hören besonders anrühren: der Unisono-Klagegesang „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“, die ruhige Psalmodie des „Spendet Trost“ und das schlichte „Vaterunser“, dem das Orchester einen Choralsatz unterlegt. Den strahlenden Höhepunkt bildet nicht der Schluss, sondern die Werkmitte: ein von den Vokalsolisten eingeleiteter, dann von Chor und Orchester in klarer Diatonik angestimmter Jubel, in den die Glocke hineintönt: als Friedens-Verkünderin.

 

Mittelbayerische Zeitung, 13.07.2015

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Unichor beschwört die Kraft der Sonne

Unichor beschwört die Kraft der Sonne

Das Regensburger Ensemble besingt das Licht – und verbreitet schieren Wohllaut, mit Werken unter anderem von Mendelssohn, Schumann und Petr Eben.

Von Gerhard Dietel, MZ

Regensburg. Mögen auch draußen am Himmel dunkle Wolken stehen und bald ein Regenschauer niedergehen: der von Roman Emilius geleitete Regensburger Universitätschor stimmt im Vielberth-Gebäude „Gesänge von Sonne und Licht“ an und beschwört gleich mit dem anfänglichen „Die güldene Sonne“ von Johann Georg Ebeling in strahlenden, rhythmisch federnden Klängen die lebensspendende Kraft des Gestirns.

Geistliche Musik durchzieht die Programmfolge und dominiert sie anfangs. In einem lebendigen Konzert von Stimmen, die sich polyphon verflechten und dann wieder zu mächtigen Akkorden vereinigen, ertönt die Motette „Die Himmel erzählen“ von Heinrich Schütz, während in Felix Mendelssohns „Richte mich Gott“ die Unisono-Anrufungen der Männer mehrfach von sanften Harmonien der Frauenstimmen abgelöst werden.

Assisis Sonnengesang

Die weltliche Chormusik der Romantik ist mit Robert Schumanns „Ungewissem Licht“ und Franz Schuberts „An die Sonne“ vertreten, gefolgt von Werken der jüngeren Vergangenheit. Morten Lauridsens „O nata lux“ ertönt als sanfter Appell, der allmählich an Intensität gewinnt und trotz sanfter Reibungen der Stimmen schieren Wohllaut verbreitet. Nicht fehlen darf in diesem vom Licht handelnden Programm der Sonnengesang des Franz von Assisi, hier in der Vertonung von Petr Eben. Souverän bewältigt der Chor die gewagten harmonischen Wendungen der Komposition und entwickelt tänzerischen Schwung auch dort noch, wo es im Lob der Schöpfung den „Bruder Tod“ anzuerkennen gilt.

Wo viel Licht fällt, gibt es dennoch manche, die im Schatten stehen. Eine dunklere Wendung nimmt das Programm mit drei Chorsätzen aus Grégory Nordmanns Zyklus „geboren zu weinen“, in denen der junge Komponist Gedichte von Kindern vertonte, die ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert waren. Trauer über die verlorene Freiheit drücken Texte und schlichte, doch eindringliche Klänge aus, doch auch zarte Hoffnungsfunken glimmen auf. Mehrfach treten Solostimmen aus dem Chor heraus, wie um die Individualität der Gedanken zu betonen. Am beklemmendsten wirkt wohl „Die Angst“: aus stockenden Tönen des Klaviers, an dem Grégory Nordmann selbst musiziert, formt sich ein düsterer Marsch, der sich im Chorpart bis zu greller Klage steigert.

Hitziger Beifall

An den Wänden des Saals im Vielberth-Gebäude verteilt sich der Chor für die Schlussnummern und nimmt die Hörer so mitten in den Klang hinein. Mit großer Ruhe ertönen Rheinbergers „Abendlied“ und Bachs „Nun ruhen alle Wälder“, wobei man bewundern kann, wie Roman Emilius den Chor mit sprechenden Gesten der Hände und selbst kleinsten Fingerzeigen zu einer höchst nuancierten Textinterpretation animiert. Abendfrieden kehrt ein – fast: Denn der Jubel des Publikums, der nun aufbrandet, fällt nicht nur warm, sondern geradezu hitzig aus.

Mittelbayerische Zeitung, 07.07.2014

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Universitätschor Regensburg 2010

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