Ohrwürmer des Musiktheaters

Ohrwürmer des Musiktheaters

Von Gerhard Heldt, MZ

REGENSBURG. Gedenktage runder Musikergeburtstage werden mit ihren Werken gefeiert. Universitäts-Chor und -Orchester taten dies am Faschingssonntag im gut besetzten Audimax. Etwa 100 Choristen und etwa 75 Instrumentalisten füllten das Podium, genug also, um die angestrebten großen Klänge der Wunschkonzert-Ohrwürmer unter der Leitung von Graham Buckland (Orchester) und Roman Emilius (Chor) zu erreichen.

Der erste Teil war dem Jubilar Verdi gewidmet, mit dessen Ouvertüre zur „Macht des Schicksals“ das Programm eröffnet wurde. Dieses Werk wird dort mitunter selbst für Profi-Orchester heikel, wo die Violinen sich im letzten Teil mit schnellen Passagen in hohen Lagen konfrontiert sehen. Diese Klippe wurde passabel bei insgesamt guter klanglicher Mischung umschifft. Auf den „Gefangenenchor“ muss man im „Nabucco“ bis zum dritten Akt warten, und dann geht er auch schnell vorüber. Emilius nahm ihn straff im Tempo, ohne Sentiment; Chor und Orchester konnten hier gefallen. Die Ouvertüre zu „La Traviata“ nimmt programmatisch den tragischen Ausgang voraus, zeichnet in den Streichern im zartesten, fast unhörbaren Pianissimo die Fragilität der Titelfigur Violetta. Bratschen und Celli gaben hier den richtigen Ton vor. Das Feuer im Zigeunerchor aus „Il Trovatore“ entfachten der präzise agierende Chor zusammen mit Piccoloflöte, Triangel und Amboss.

„Aida“ ist derzeit auch auf dem Spielplan des Theaters Regensburg. Dort agieren vier „Aida-Trompeten“ beim Triumphmarsch. Beim Unikonzert kamen hier zehn übliche Instrumente zum Einsatz. Die Ballettmusik in der Mitte der Triumphszene hätte ohne Schaden gestrichen werden können. Angesichts der aufgebotenen Menge an Chor und Orchester fehlte es an letzter Durchschlagskraft.

Verdi lässt sich auch für Laienensembles trotz etlicher technischer Schwierigkeiten wirkungsvoller in Szene setzen als Werke des gleichaltrigen Richard Wagner, die mehr Tiefgang erfordern. Das Vorspiel zum 3.Aufzug des „Lohengrin“ ist auf den klanglichen Effekt hin angelegt, die ein Laienorchester kaum adäquat umsetzen kann. Zum Brautchor traten die Sängerinnen und Sänger, von hinten aufs Podium schreitend, auf. Intonation und Zusammenspiel waren erst mit dem Eintreffen auf dem Podium korrekt. Schön wäre es gewesen, wenn man auch das Sich-Entfernen des Chors, in der Oper im Pianissimo verhallend, hätte miterleben können.

Im Chor der Spinnerinnen aus dem 2. Akt des „Fliegenden Holländer“ waren die Damen des Unichors präsent und textverständlich. Der Chor der älteren aus Rom zurückkehrenden Pilger aus dem 3. Aufzug des „Tannhäuser“ ist wegen seiner a cappella-Passagen tückisch.

Beim „Tristan“-Vorspiel verlangt der Tristan-Akkord mehr Gewicht, das ganze Vorspiel steuert in stetiger dynamischer und chromatisch immer dichter werdender Steigerung auf den Fortissimo-Höhepunkt zu, der leider durch ein zu früh angesetztes Crescendo verschenkt wurde. „Isoldes Liebestod“ müsste aus ihren Worten „Mild und leise wie er lächelt“ entwickelt werden. Das Orchester folgte den weit ausgreifenden Gesten seines Dirigenten und agierte durchwegs zu unsensibel.

Der „Wach auf!“-Chor aus den „Meistersingern“ ist der Höhepunkt des ersten Aufzugs. Das war er auch hier: klanglich glanzvoll, präzise in der Diktion, ausgewogen in der Mischung von Stimmen und Instrumenten.

Das Chor-Arrangement des Gebets des Titelhelden aus dem 5. Akt von „Rienzi“ von Clytus Gottwald bleibt hinter dem Original zurück, doch der gut präparierte Chor ließ das in den Hintergrund treten. Der Brautchor wurde als Zugabe wiederholt – jetzt mit dem Auszug der Sängerinnen und Sänger. Das Publikum spendete viel Beifall.

Mittelbayerische Zeitung, 11.02.2013

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