Der Uni-Chor gab eine lange „Romantische Chornacht“ zum Besten

Regensburg. Von Gerhard Heldt, MZ

Während seines Abschieds vom Kantorenamt studierte Christian Kroll mit dem Universitätschor ein anspruchsvolles Programm für die „Romantische Chornacht“ in der Minoritenkirche ein. Hier standen in zwei großen Blöcken Brahms‘ „Zigeunerlieder“ op. 103 auf Texte von Hugo Conrat und die „Liebeslieder“ op. 52 auf Texte von G. F. Daumer im Mittelpunkt. Beide Zyklen erfordern vom Chor und den begleitenden Pianisten (mit viel Einfühlungsvermögen: Roswitha und Lukas Klotz) ein hohes Maß an Konzentration, um die mitunter schnell wechselnden Stimmungen in Text und Musik überzeugend vorzutragen.

Klangliche Disziplin

Begonnen hatte Christian Kroll mit Robert Schumanns „Zigeunerleben“ op. 29,3 auf einen Text von Emanuel Geibel, der alle Zigeunerklischees des 19. Jahrhunderts bedient und Schumann die Grundlage für glutvolle musikalische Entsprechungen bietet. Die gelangen nach kurzen Anlaufschwierigkeiten auch gut. Kleine Mängel in den hohen Männerstimmen glichen die prächtigen Sopran- und Altstimmen aus. Die „Zigeunerlieder“ von Brahms standen dem nicht nach: dynamisch gut ausgearbeitet, vollstimmig und doch transparent im Klang, jede Silbe zu verstehen.

Thomas Gropper gestaltete mit baritonal gefärbtem Bass Schuberts Goethevertonung „An den Mond“ D 259 ansprechend und plastisch. Als instrumentales Intermezzo bot Lukas Klotz auf einem leider unzureichenden Stutzflügel ostasiatischer Provenienz Beethovens op. 27,2, die Sonate „quasi una fantasia“, bekannter als „Mondscheinsonate“. Der langsame Kopfsatz klang am überzeugendsten, das Finale versank in der mulmigen Mittel- und Basslage des Instruments. Drei Silcher-Chöre beschlossen den ersten Teil. Kroll hielt seinen Chor zu äußerster klanglicher Disziplin an, vermied jedes falsche Sentiment und lief so nie Gefahr, ins Seichte abzugleiten.

Der zweite Teil startete mit den „Liebesliedern“ op. 52 von Brahms, die mit der von Georg Blüml spannend vorgetragenen Geschichte „Das öde Haus“ aus dem zweiten Teil von E. T. A. Hoffmanns „Nachtstücken“ etwas zwanghaft gekoppelt waren. Die Liedabfolge war umgestellt, auf den Text abgestimmt. Durch diese Kopplung entstand ein abendfüllendes Werk von ca. 90 mitunter ermüdenden Minuten, was zu später Stunde auch der stets präsente Chor mit seinen kurzen Einwürfen kaum mehr auflockern konnte. Beglückend zum Schluss nochmals drei Silcher-Chöre, wiederum unprätentiös vorgetragen von den herrlich jungen Stimmen des Universitätschores, der sich für den Beifall mit Regers „Nachtlied“ bedankte.

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Universitätschor Regensburg 2010

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