Konzertkritiken

"Verdis beste Oper" krönte Kulturfest

"Verdis beste Oper" krönte Kulturfest

Von Gerhard Heldt, MZ

REGENSBURG. Drei Abende lang hielt das Wetter, und Tausende genossen Musik und Tanz im Stadtpark. Das Finale am Sonntag fand unter Donner und Blitz bei Dauerregen statt – und war erstaunlich gut besucht. Das Publikum in Regensburg ist offensichtlich für Freiluftkonzerte jeder Art zu begeistern und für den Fall der Fälle auch bestens ausgerüstet.

Auch für Journalisten waren es außergewöhnliche Umstände: Es gab Gratis-Capes, auf die der Regen ordentlich einprasselte, was den Hörgenuss erschwerte. Sich unter dem Cape Notizen zu machen, erfordert teils akrobatische Verrenkungen. Nachdem sich aber die Verantwortlichen zuversichtlich gezeigt und das Konzert „angepfiffen“ hatten, lief Verdis Requiem planmäßig ab, und alle blieben Zuhörer blieben bis zum – dann trockenen – Schluss.

Aufgeboten waren die Regensburger Kantorei und der Universitätschor, zusammen ca. 200 überwiegend junge Stimmen, die den Chorklang prägten. Die Vogtland Philharmonie, ein höchst vielseitiges Orchester, war in großer Besetzung angereist. Das Requiem des Opernkomponisten ist nicht für den kirchlichen Gebrauch gedacht; diese „beste aller Opern Verdis“, wie George Bernard Shaw sie leicht ironisch nannte, sprengt in ihrem opernhaften Gestus voll überbordernder Intensität jeden sakralen Rahmen.

Roman Emilius ist Chordirigent mit Leib und Seele, bezieht das begleitende Orchester in sein musikalisches Konzept mit ein, dem Übertreibungen fremd sind. So entstand ein geschlossenes Klangbild aus Chor-Stimmen und Instrumenten, solistischen und Ensemble-Passagen. Selbst das „Dies irae“ blieb bei Emilius gezähmt, überzog nicht den kultivierten Rahmen einer werkdienlichen Interpretation. Die eingängige Musik diente nicht der Selbstdarstellung der Interpreten; was fesselte, waren Text und Musik.

Und da wäre einzuhaken: Ein großer Chor hat nun einmal Probleme mit der Textverständlichkeit, die Emilius seinen Sängerinnen und Sängern so intensiv ans Herz gelegt hatte, dass man – bis auf das „Sanctus“ – nahezu alles verstehen konnte, vorausgesetzt, man kennt den Text. Große Momente beim Orchester sind nicht nur die dreimalige Wiederholung des „Dies irae“, sondern auch die mit insgesamt acht Trompeten, davon vier aus der Ferne, aufwartende Ankündigung des Jüngsten Gerichts. Die Vogtland Philharmonie spielt auch die vielen intim-lyrischen Passagen ausdrucksstark.

Die Verstärkeranlage erfüllte ihre Aufgaben zufriedenstellend. Aber die jungen Solisten standen zu nahe an ihren Mikrofonen und waren durchgehend viel zu laut. Wer so ins Mikro singt, nimmt in Kauf, dass alle gesanglichen Schwächen gnadenlos zu hören sind. Die junge Sopranistin Antonia Gust kämpfte mit flackerndem Vibrato mit den Höhen, nicht nur im Forte, sondern auch in den heiklen Pianissimo-Passagen. Bei der stimmlich souveränen, höhensicheren Mezzosopranistin Anna Haase trübten eklatante Probleme bei der Textverständlichkeit den sonst positiven Eindruck. Schön, aber bisweilen zu direkt auch der leichte Mozart-Tenor von Jeffery Krueger, der wie der profunde Bass Artur Grywatzik unnötig forcierte.

Mittelbayerische Zeitung, 02.07.2011

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Kraftvoller Klang beim Kyrie

Kraftvoller Klang beim Kyrie

Von Randolf Jeschek, MZ

REGENSBURG. „Wie gut, dass dem Mozart die Luft ausgegangen ist“, kommentierte ein in der Musikgeschichte bewanderter Besucher nach dem Konzert des Universitätschors in der eiskalten Basilika St. Emmeram. Normalerweise bedauert man es ja, dass Mozarts großartige c-Moll-Messe ein Torso geblieben ist, bei quasi-sibirischen Verhältnissen ist man da weniger traurig, zumal vor dem Hauptwerk des Nachmittags noch zwei Motetten von Andreas Hammerschmidt („Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz“) und Felix Mendelssohn-Bartholdy („Warum toben die Heiden“)als Vorprogramm zu hören waren – dies als Warm-Up zu bezeichnen, wäre doch etwas verwegen. Waren die Motetten noch einer kleinen Kammerbesetzung vorbehalten, wuchs der Unichor bei Mozart bis auf weit über 100 Sänger an, die bereits beim Kyrie andeuteten, welch kraftvollen Klang sie entfalten können.

Und das kommt dieser Messe durchaus entgegen, orientiert sich hier doch Mozart in den Chorabschnitten an Bach und Händel; ein Zug zum Monumentalen ist nicht zu übersehen. Diesen monumentalen Gestus versuchte Chorleiter Matthias Schlier umzusetzen, er achtete auf Großflächigkeit, auf Exaktheit, Sicherheit. Das ist legitim, fordert diese Messe dem Chor, dem Orchester und den Solisten doch alles ab; die Kehrseite: vieles wirkte starr, unbeweglich, eintönig, zu handfest, die musikalische Vielfalt blieb auf der Strecke. Dennoch, eine ordentliche Leistung für einen ambitionierten Laienchor. Und auch das Kammerorchester der Universität stand seinen Mann, kämpfte tapfer gegen die Tücken der Kälte; da gerät schon mal was weniger filigran, als man gerne möchte.

Das Solistenquartett konnte überzeugen, da wehte bei den koloraturreichen Sopranarien (Stefanie True und Christine Hofmann) ein Hauch neapolitanischer Opernflair durch das Kirchenschiff, Duett und Terzett (mit Tenor Richard Resch) gerieten trotz gelegentlicher Intonationstrübungen klangschön, flüssig und ausgewogen, das Benedictus, bei dem Bassist Achim Hoffmann das Quartett vervollständigte, hätte man sich etwas weniger hemdsärmelig vorstellen können. Freundlicher Applaus aus dem voll besetzten Kirchenraum belohnte das gelungene Wagnis, ein ganz großes Werk der Chorliteratur klanggewaltig auf die Beine gestellt zu haben. Das nächste Kapitel wird am Sonntag, 1. Juli aufgeschlagen: Verdis Requiem.

Mittelbayerische Zeitung, 15.02.2011

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Universitätschor Regensburg 2010

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