(08/2020)

„Wie geht es weiter?“ Kaum eine Frage haben wir in den letzten Monaten, Wochen und Tagen so häufig gestellt bekommen. Denn ja, die Anfragen nehmen zu und lösen damit die Frage nach unserem bemühten Ersatzprogramm (u. a. bestehend aus Liedsendungen und Online-Stammtischen) definitiv ab. Wie geht es weiter? Die Antwort ist leider naheliegend: Wir wissen es nicht. Fest steht, dass der Unichor nur allzu gerne wieder proben würde. Fest steht auch, dass von der Universität unabhängige Veranstalter unsere nicht durchgeführten Konzerte gerne mit uns nachholen möchten, bestenfalls im kommenden Jahr. Dies geht natürlich nur, wenn wir vorher auch proben können.

Dass wir uns mit einer Gruppenstärke von um die 120 Personen wie gewohnt im H24 treffen, ist wohl im Wortsinne Zukunftsmusik. Insofern es uns von den Entscheidungsträgern der Universität (und / oder darüber hinaus) gestattet wird, sind zumindest Proben in kleinen Gruppen denkbar. Dafür brauchen wir jedoch einen fähigen Chorleiter mit Lehrauftrag – und dieser wurde unserem Roman Emilius im vergangenen Semester erst gar nicht erteilt. Doch selbst wenn er diesen im kommenden Wintersemester wieder erhält und freilich die Infektionszahlen wider Erwarten so niedrig bleiben, dass Kurse in sehr beschränktem Maße auf dem Campus möglich sind: Die Masse an Probenstunden wird so kaum tragbar, schließlich gibt es auch noch die Regensburger Kantorei und den Raselius-Chor zu leiten. Und der bisherige Umfang des Lehrauftrages würde den Aufwand definitiv nicht abdecken (wenngleich das nichts Neues ist).

Wie geht es weiter? Der Wille ist ungebrochen, die Entzugserscheinungen nach unserer musikliebenden Gruppe haben sich über die vielen Monate in ein vorher kaum vorstellbares Ausmaß gesteigert, es fehlen der Input, der Austausch, die Energie, die Erfolgserlebnisse – und auch das Scheitern –, um von unseren geliebten Wochenenden erst gar nicht zu sprechen. Für mich selbst war der Unichor einer der raren ausschlaggebenden Punkte, auch für den Master weiterhin in Regensburg zu bleiben. Aktuell erreichen uns E-Mails, in denen sich langjährige (verdiente!) Chormitglieder dankbar verabschieden, da sie ihr Studium nun abgeschlossen haben oder aus anderen Gründen die Stadt und damit auch den Chor verlassen müssen. Sang- und klanglose Abschiede, die wir in dieser schwierigen Zeit verzeichnen müssen.

Und was bislang von vielen unbeachtet blieb: Uns fehlt das Training! Wem das in der letzten Zeit noch nicht bewusst geworden ist, wird sich spätestens bei der ersten wieder möglichen Chorprobe wundern. Beethovens „Missa Solemnis“ wollten wir im vergangenen Mai singen, ohnehin ein Kraftakt sondersgleichen. Mit dem vermutlich noch wachsenden Negativkonto an Singstunden kommt folglich eine spannende und vor allem herausfordernde Zeit auf uns zu… Aktiv werden wir jedoch bleiben, in welcher Form auch immer.

Neben den besten Wünschen für die Gesundheit und das Durchhaltevermögen in diesem merkwürdigen Jahr möchte ich mit einem Zitat von E.T.A. Hoffmann schließen: „Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an.“
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